Tag 7
5.2.2004

 

Graf baut Führung mit Sieg gegen Deutschen Pokalsieger aus.

ELO-Favorit Alexander Graf baut mit einem klaren Sieg gegen den Deutschen Pokalsieger Thies Heinemann seine Führung aus. Er profitiert von einem Remis an Brett zwei zwischen einem ganz auf Unentschieden spielenden Großmeister Sergey Kalinitschew und dem Hamburger Bundesligaspieler Jan Gustafsson.

Doch im weiteren Verfolgerfeld brennen die Figuren. Der junge Arkadij Naiditsch schlägt Romuald Mainka erneut im Expressverfahren. Der Erfurter Thomas Luther siegt gegen den Plauener Lutz Espig. Nationalspieler Klaus Bischoff gewinnt im Theorieduell gegen den Hambuger Dr. Karsten Müller. Doch der Star des Tages war der erst 15jährige Arik Braun, der den Berliner Jakov Meister in 75 Zügen niederringt und sich somit faire Chancen auf den Erwerb einer Großmeisternorm wahren kann. Aus dem Rennen: Leonid Kritz. Der Ex-Jugendweltmeister muß sich dem Deutschen Meister 2000 Robert Rabiega geschlagen geben und verliert damit alle Aussichten auf einen vorderen Spitzenplatz.

Und so kommt es morgen zu einer ersten Vorentscheidung. Alexander Graf trifft auf den in den letzten Runden blendend aufgelegten Arkadij Naiditsch. Am zweiten Brett begegnen sich die Nationalspieler Luther und Bischoff. Jan Gustafsson muß sich mit dem jungen Arik Braun auseinandersetzen.

Stimmen

Bernd Vökler sieht seinen Schützling Arik Braun (Bild) gegen Jakov Meister siegen: "Von der Eröffnung waren wir überrascht. Obwohl: Meister hat bislang immer wieder etwas Neues gespielt. Aber von der Grundstruktur, glaube ich, war das nicht seine Stellung. Weiß bekam Initiaive und Raumvorteil. Meister hat den Tausch Springer gegen 3 Bauern provoziert, Arik ist darauf eingegangen und hat das technisch einwandfrei verwertet. Ob das Turmendspiel mit g und h Bauern auch theoretisch gewonnen ist, bin ich mir momentan nicht sicher. In der Praxis reicht es."

Alexander Graf (Bild rechts) hat gegen Thies Heinemann (Bild links) wenig Probleme:" 10. Tb1 war schon ein Fehler. Statt dessen wäre Le2 richtig gewesen. Mit Lf3: kann ich die weiße Bauernstruktur stark schwächen. Im Endspiel waren das die entscheidenden Vorteile." Nach dem Remis an Brett zwei, kann Graf auf einen satten Punkt Vorsprung blicken. Doch die Frage, ob auch angesichts des Abschneidens seiner direkten Verfolger die Meisterschaft entschieden ist, entlockt nur die Bemerkung "Es ist noch etwas früh, etwas zu sagen. Es sind noch zwei Runden zu spielen." Aber die Frage, ob nun zumindest ein wenig Hoffnung keimt, entlockt ein leises "Ja."

Gast des Tages ist heute Bundestrainer Uwe Bönsch.
"Herr Bundestrainer, Höckendorf - aus ihrer Sicht eine starke Meisterschaft?"
U.B.: "Schade, dass Lutz, Dautov, Hübner und Jussupow nicht dabei sind. Aber die stärker und stärker gewordenen Meisterschaft ist immer etwas besonderes. Erfreulich, da diese DEM in den letzten Jahren nicht immer so stark besetzt war. Das war nicht immer so. Mit der DEM 1998 in Bremen kam die Wende. Seitdem ist die Meisterschaft durchgängig gut besetzt und für die Spieler finanziell und spielerisch attraktiv.
Talentsichtung oder Formkontolle: Was treibt Sie nach Höckendorf?
U.B.: Die deutsche Meisterschaft kann man ja jetzt auch schon von zu Hause aus verfolgen. Acht Partien live, und abends noch komplett alle Partien im Netz. So ist der Besuch dem Fluidum geschuldet. Ich komme weniger um neue Talente zu sichten, als mehr um die Form der Spieler einzuschätzen und einige Gespräche zu führen. In diesem Jahr steht Mitte Oktober die Schacholympiade in Mallorca als Saisonhöhepunkt an. Wir bereiten uns mit einem Wettkampf Anfang September gegen Ungarn vor. Polgar und Leko werden vermutlich nicht dabei sein, aber sonst erwarten wir ein starkes Team. Auch unser Kader steht noch nicht fest. Ich möchte gerne mit dem Olympiateam antreten. Zusätzlich ist ein Vorbereitungslehrgang für Ende September geplant. Dann sind wir hoffentlich gut gerüstet.
Wer ist dabei?
Die Mannschaft wird im Juli nominiert. Es steht noch nicht fest, ob Arkadij Naiditsch bis dahin offiziell eingebürgert sein wird. Dann wäre er mit Sicherheit in Kandidat wie auch Leonid Kritz, für den gleiches gilt. Und dann natürlich alle, die auch schon in der Vergangenheit erfolgreich spielten. In der Zukunft werden auch Spieler wie Levon Aronian zur Verfügung stehen. Vielleicht auch Rustam Kasimdzhanov, immerhin früher ein 2700 ELO Punkte starker Spieler. Er hat sich in Deutschland niedergelassen und ist auch bereit für Deutschland zu spielen. Angesichts von Wechselfristen von drei Jahren bei der FIDE kann das jedoch noch einige Jahre dauern.
Ihr Tip für den Deutschen Meister 2004?
Im Moment liegt ein Top-Favorit vorn. Und viele weitere Topspieler wie erwartet dahinter. Ich bin positiv überrascht von Heinemann und Espig. Und natürlich von Arik Braun, der ja bereist in Stockholm ein ausgezeichnetes Resultat gezeigt hat und zu den Hoffnungsträgern im deutschen Schach gehört. Mein großer Dank an die Sponsoren, die dieses Turnier hier möglich gemacht haben. Aber auch für die anderen vielfältigen schachlichen Aktivitäten in den letzten Monaten!

Klaus Bischoff (Bild) gewinnt gegen Dr. Karsten Müller: "Müller und ich haben diese Variante schon in der östereichschen Staatsliga gespielt. Auch da hat er schon verloren und heute hat er die selbe Variante versucht. Doch eine richtig gute Stellung hat er nicht bekommen," schmuzelt der 42jährige. Es war ein Spiel auf ein Tor ...

Arkadij Naiditsch siegt einmal mehr im Expressverfahren, heute gegen Romuald Mainka: "Schon die Eröffnung ist mit Vorteilen für Weiß gelaufen. 15. Sh4 war der Schlüsselzug. Schwarz hat 50 Minuten investiert, doch danach lief es für Weiß von alleine. Noch zwei Runden zu spielen, ist für mich für eine gute Platzierung fast alles wieder offen."